Batella en el Cielo
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"Batella en el Cielo", ein kleiner Film ohne große Stars, sondern mit Laiendarsteller, ohne Special Effects, und leider größtenteils sogar ohne Handlung.
Eine mehr als ausführliche Fellatio-Szene zwischen einer jungen und attraktiven Frau und einem ziemlich ungepflegten älteren Mann steht zu Beginn von Batella en el Cielo.
Entgegen unserer Erwartungen, ist es aber keine Untergebene, die ihrem Chef zu Diensten ist, sondern ganz im Gegenteil. Der Mann (Marcos Hernandez) ist der Chauffeur des Vaters der jungen Frau (Anapola Mushkadiz).
Diese jobbt nebenbei als Prostituierte, jedoch nicht wegen des Geldes sondern des besonderen Kicks, den ihr dieses verbotene Tun erschließt.
Nicht nur sie hat ein dunkles Geheimnis, auch der Chauffeur trägt etwas Belastendes mit sich herum. Zusammen mit einer dickleibigen Frau entführte er ein kleines Kind, welches bei der Geiselnahme ums Leben kam. Sein Geständnis Ana gegenüber macht seine Verzweiflung nur noch schlimmer.
Was dem Film gänzlich fehlt, ist der innere und äußere Zusammenhang der Geschehnisse, die Suche des Zuschauers wird durch Carlos Reygadas nicht durch Bedeutung belohnt. Anstelle eines Sinns werden dem Zuschauer während 99 Minuten zahlreiche unästhetische, geradezu pornographische Sexszenen zwischen unattraktiven Menschen zugemutet. Die Sexszenen zwischen der attraktiven Ana und dem ungepflegten, hässlichen Marcos wechseln sich mit den Sexszenen des schwer übergewichtigen Paars, Marcos und seiner Frau, ab. Wenn man genug stark ist und hinsehen kann, lernt man, dass auch übergewichtige Menschen Spass im Bett haben können.
Das einzige überzeugende und interessante an diesem Film ist die Montage. Viele Szenen beginnen nicht mit einer üblichen Totalen Einstellung, die die Darsteller in ihrer Umgebung etabliert, sondern mit Nahen, zum Teil auch Detail-Einstellungen. So sieht man über eine längere Zeit bildfüllend den Kopf von Marcos und seiner Frau, die schweigend in einer Fußgängerpassage stehen und um sich kucken. Erst nach Minuten werden die Einstellungen Totaler und der Zuschauer erfährt, dass Marcos und seine Frau in dieser Fußgängerpassage hinter einem Stand stehen und Gegenstände verkaufen. Dieser Bildaufbau gibt den Szenen eine gewisse Spannung und hält den Zuschauer wach, da dieser selbst das eigentliche Bild aus einem Puzzle von nahen Einstellungen zusammenbauen muss.
gesehen von Christine Repond
Be here to love me: a film about Townes van Zandt
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„Be here to love me" ist eine Dokumentation über den Poeten und Songwriter Townes van Zandt, der 1997 an den Folgen seiner Alkohol- und Drogensucht zugrunde ging.
Regisseurin Margaret Brown hat jede Menge nostalgisches Filmmaterial eingebaut, das Townes in allen möglichen Situationen, meist beim Singen seiner Lieder, zeigt. Sie schildert die Stationen seines Lebens, lässt Kollegen und Exfrauen zu Wort kommen und zeigt immer wieder Townes bei Konzerten, was insofern interessant ist, da sich so der jeweilige gesundheitliche und geistige Zustand einschätzen lässt. Immer wieder eindrucksvoll eingewoben sind Ausschnitte aus einem der wohl letzten Interviews vor seinem Tod: unglaublich, welche Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Leere aus diesen Augen blicken.
Mit seinem Leben zurecht kam er wohl die seltenste Zeit: nach einem Sprung aus dem Fenster und einer anschließenden Elektroschockbehandlung in der Psychiatrie sind Teile seiner Erinnerung ausgelöscht- was einer Stabilisierung der eigenen Identität nicht gerade förderlich war.
Insgesamt lebt die Dokumentation von Townes van Zandts Musik- was durchaus zum Problem werden kann. Denn wer nicht ausgesprochener Fan dieser Nashville- Tennessee- Gitarren- Country- Musik ist, ist nach spätestens 10 Minuten am Rand seiner Aufnahmekapazität angekommen. Außerdem springt der Film zu oft in der Zeit vor und zurück; um den Verfall und die darin liegende Entwicklung aufzuzeigen, wäre eine linearere Struktur durchaus die bessere Wahl gewesen. Musikfans und Freunde melancholisch-poetischer Texte werden sich dadurch aber nicht abschrecken lassen.
gesehen von Johannes Prokop
"Beautiful Country" erzählt eine Geschichte in teilweise schonungslosen Bildern, die die Abgründe der Menschheit offenbaren.



