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Mit Molton abgehängte weiße Wände

 

In der Realität wollen alle weiße Wände, im Film macht das beim Ausleuchten nur Probleme. Wie man trotzdem kontrastreich leuchtet... Das ist schon ganz schön verzwickt, wenn man beginnt, nach Drehorten für seinen nächsten Spielfilmdreh zu suchen, so trifft man überwiegend auf weiß gestrichene Wohnungen. Das hat einen guten Grund, insbesondere in Großstädten mit gegenüberliegenden Straßenseiten gelangt nicht so richtig viel Tageslicht in die Wohnungen hinein. Je niedriger die Etage, desto weniger Licht gelangt durch die Fenster in die Räume.

 

Um aber in seinen Wohnräumen dieses wenige Tageslicht optimal nutzen zu können, streicht man die Wände weiß, damit sie das Licht optimal reflektieren und es trotzdem in den Räumen hell ist. Ja man streicht sogar hochweiße, oft sogar glänzende Wandfarben um ein Maximum an Licht in den Wohnräumen zu erhalten. Dazu raten auch die meisten Innenarchitekten.

 

Leider sind derart weiße Wände zwar im realen Leben schön, aber für die Ausleuchtung von Personen bei Spielfilmdrehs mit Filmscheinwerfern sind sie gar nicht gut geeignet.

 

Raum Rot 2000

Filmmotiv von Filmstudenten rot gestrichen für einen Drehworkshop mit Prof. Mathias Allary und DOP Volker Tittel

 

Dies hat mehrere Gründe. Zunächst einmal ist eine weiße Wand kein guter Bildhintergrund, weil zumindest Nordeuroäer mit ihrer hellen Haut eher blass aussehen vor einem weißen Hintergrund. Der andere Grund liegt darin, dass die Filmscheinwerfer eigentlich immer außer ihrem eigentlichen Zweck, die Filmschauspieler optimal zu beleuchten, auch Licht streuen. Dieses wird von den weißen oder helen Wänden reflektiert und beleuchtet die Schauspieler zusätzlich, obwohl wir das gar nicht wünschen.

 

Deshalb wählen Filmleute gerne Wohnungen mit Wänden, die eher dunkler gehalten sind. Dunkelrot, dunkelgrün, Ocker, dunkles Orange, Blau, all das sind Farben, die weitaus weniger Streulicht produzieren und vor denen die Schauspieler einfach besser aussehen. Probiert es mal aus, macht Fotos vor verschiedenen Hintergründen,- der weiße Hintergrund ist meistens die schlechtere Wahl.

 

Wenn man in Studios dreht oder in Wohnungen die nach dem Dreh renoviert oder gar abgerissen werden, kann man die weißen Wände einfach in der gewünschten Farbe überstreichen. Geht das nicht und man dreht in einer Wohnun mit hellen oder weißen Wänden, muss man sich bemühen, so viel Streulicht, wie möglich, zu verhindern. Im einfachsten Fall baut man neben den Schauspielern Abdeckfahnen auf (negative Fill), die Streulicht abhalten.

 

 

 

Falls Abdeckfahnen nicht reichen, muss man versuchen, alle nicht im Bild sichtbaren weißen Wände durch schwarzen Molton abzuhängen, um das Streulicht zu reduzieren. Dafür kann man unterschiedliche Befestigungsmethoden wählen. Muss der Raum möglichst tadellos wieder nach dem Dreh verlassen werden, kann man beispielsweise zwei Polecats zwischen Boden und Decke oder wenn der Raum kleiner ist, zwischen die Wände spannen (Vorsicht, Papiertaschentücher auf die Gummipuffer, damit es keine Spuren auf der weißen Decke oder Wand hinterlässt) und den Molton daran befestigen.

 

Alternativ kann man auch leichte Alu-Lichtstative aufstellen und  den Molton daran befestigen. Diese nehmen aber mehr Platz in Anspruch, weil die Stativbeine am Boden mehr Fläche brauchen.

 

Klebt man den Molton an die Wand, etwa mit Gaffer Tape, oder tackert man ihn gar an die Wand, werden Spuren zurück bleiben. Ganz gleich wofür man sich entscheidet, das Ergebnis ist auf jeden Fall lohnend, das Licht auf den Gesichtern wirkt definierter, kontrastreicher und filmischer.

 

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