MC18 NOV17x2

Social Media Icons Shop 55

Kinosaal Rot 4000

Regie: Patrice Chéreau / Wettbewerb / 11.02.2003

 

Zehn Jahre leben zwei Brüder ohne jeglichen Kontakt zueinander. Und wie es das Schicksal will, finden sie einander wieder, allerdings über ein tragisches Ereignis. Der ältere Bruder namens Thomas wird von einer schweren Krankheit in Besitz genommen und muss mit seinem baldigen Tod rechnen. Er sucht sofort den Kontakt zu Luc, der aber ebenso nur schwer mit der neuen Situation umgehen kann. Für Beide gilt es nun eine schwierige Hürde zu überwinden, die nicht nur ein Auskommen mit dieser unbarmherzige Krankheit, sondern auch das Lösen alter, tiefgreifender Konflikte umfasst. Dies soll ihnen gelingen. Einerseits durch Lucs regelmäßige Besuche im Krankenhaus, bei denen er sich dem fast schon unwürdigen Leben seines Bruders stellt, und anderseits durch ihren Rückzug in das Haus ihrer Kindheit. So tragisch es auch klingen mag, gerade durch Thomas todbringende Krankheit finden die beiden Brüder wieder zueinander.

Dieser Film ist ergreifend und abstoßend zugleich. Als Zuschauer spürt man beide Charaktere äußerst intensiv in ihren Gedanken und Emotionen, was nicht nur auf die großartige schauspielerische Leistung von Bruno Todeschini und Eric Caravaca zurückzuführen ist, sondern auch auf die überzeugende und nahe Erzählung beider Lebensgeschichten. Regisseur Patrice Chéreau bringt seinem Publikum das Leiden des erkrankten Thomas, als auch das Mitleiden von Luc nahe, der den körperlichen Verfall seines Bruders nur schwer ertragen kann. Sehr stark im Zusammenhang mit diesem emotionalen Aspekt stehen die abstoßenden Szenen im Krankenhaus, die dem Zuschauer mit Blutergüssen, geröteten Narben, Eiterungen, bloßgestellten Körpern, sowie einer insgesamt kalten Atmosphäre Bilder aufzwingen, denen man sich nur ungern stellt. Sehr gut gelungen ist der feinfühlige Einsatz von Musik. Erst zum Schluss des Films arbeitet der Regisseur mit einer musikalischen Untermalung der Szenen, welche dadurch emotional stark betont werden und die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich richten.

"Son Frère" vermittelt, wie viele andere Filme der Berlinale, eine sehr depressive Stimmung, findet aber wegen seiner wunderbaren Umsetzung großen Zuspruch,  zumindest meinerseits.

 

Gesehen von Christian Schall

Kameraworkshop Banner 8 23 4000

Weitere neue Artikel

Sie kommen daher im Deckmäntelchen des Dokumentarischen, sind aber schlichte Werbefilme für ihre Protagonisten

Früchte sind nicht nur ein beliebter Lieferant für Vitamine, sondern auch für Filmtitel. Wir haben zugebissen...

Warum die kleinen Plastiksteinchen aus Skandinavien so viele Stop-Motion Filme hervorgebracht haben...

Wie man vor CGI und Computeranimationen mit Modelltricks und Einzelbildern Fantasiewelten erschuf

Historische Verbrechen und deren Aufklärung sind zentraler Plot in einigen spannenden Kinofilmen und Serien

Weshalb Kunsträuber im KIno schon immer eine wichtige Rolle eingenommen haben

Wer im Web nach bestimmten Themen sucht, kann höchst unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Die besten  Rechercheprompts...

Eigentlich überrascht es uns kaum noch, dass auch die Flatscreen Fernseher unser Verhalten präzise überwachen...

Warum nur hat die generative KI so große Probleme bei der Darstellung von Händen und Füßen? Ein Versuch, das zu verstehen...

Wie rasant sich die Technik rund um die Unterdrückung unerwünschter Tonsignale entwickelt hat, ist kaum zu glauben...

Wie die Slapstick-Komödien zu den erfolgreichsten frühen Genres der Stummfilmzeit wurden und bis heute nachwirken

So wie einst die Nagra den Filmton revolutionierte, hatten die britischen Mischpulte die Arbeit an Filmsets radikal verändert.

Es ist schon etwas besonderes, wenn der Titel eines Films aus seiner Handlung oder seinen Dialogen entspringt...

Unsere Welt, das Leben um uns herum bietet unzählige spannende Geschichten, die geradezu danach rufen, verfilmt zu werden...

Streaming und Filmkultur: Wie legale Streaming-Seiten die Film,- und Medienwelt verändert haben

Krise oder Transformation? Ein Plädoyer für neue Formen des Dokumentarischen

Sie ist eine der ältesten Techniken, um realistische Animationen zu schaffen: Die 1914 erfundene Rotoskopie.

In Filmabspännen stehen oft viele Producer. Was machen die eigentlich alle und welche Unterschiede gibt es?