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Die Filme der Berlinale liefen in den verschiedenen Berliner Kinos

 

Auf der Berlinale 2020 konnten wir als Praktikanten des Movie-College viele Filme sehen, von denen uns manche mehr, manche weniger begeistern konnten. Wie und warum uns die einzelnen Werke gefallen haben, oder auch nicht, steht in den folgenden (Kurz-) Kritiken.

 

A L’abordage
Regie: Guillaume Brac

Félix lernt eines Nachts Alma in Paris kennen, wobei sie bereits am nächsten Tag zurück nach Hause in ein kleines, französisches Dorf muss. Von ihr verzaubert entschließt er sie dort mit seinem besten Freund Chef zu besuchen, wovon Alma allerdings nicht zu begeistert ist…

In Guillaumes Komödie stellt er das vermeintlich romantische Klischee auf den Kopf, bei der Person A extra zu Person B reist, obwohl diese nichts davon weiß, was durchaus erfrischend ist. Da die Begegnung der beiden Liebenden recht früh im Film passiert, ist genug Zeit auf das Thema Projektion in romantischen Beziehungen einzugehen, was aber leider nur relativ oberflächlich gemacht wird. Begleitet wird das ganze durch die witzigen Interaktionen der Hauptfiguren, die alle teils sympathisch aber auch teils unsympathisch durch ihre Fehler wirken.

Nach dem Film kann ich mich zwar nicht wirklich an besonders tolle oder witzige Szenen erinnern, aber ich kann sagen, dass ich währenddessen Spaß gehabt hatte. Wer also eine leichte, typisch französische Komödie haben will ist hier bestens aufgehoben.

Gesehen von Cindy Feigi

 

Submarino3 2000

Durch eine Tür gelangt "Chico" vom Schiff in ein Apartment. [ Bild: Square Eyes ]

 

Chico Ventana También Quisiera Tener un Submarino
(Window Boy Would Also Like to Have a Submarine)
Regie: Alex Piperno

Auf einem Kreuzfahrtschiff entdeckt ein junger Schiffsarbeiter eine Tür, die in ein Apartment mitten in einer Großstadt führt. Zeitgleich bemerken einige Bauern auf einem Hügel einen Schuppen, aus dem seltsame Geräusche und Vibrationen zu vernehmen sind…

Entgegen dieser eigentlich aufregenden und interessanten Prämisse konnte der Film uns leider nicht Fesseln. Chico […] ist sehr ruhig und lässt sich mit dem Erzählen viel Zeit. Er ist vollständig in statischen Einstellungen gefilmt und schneidet immer erst bevor bzw. nachdem die handelnden Personen das Bild betreten bzw. verlassen. Die Charaktere sind sehr passiv, reden und handeln kaum, zeigen nur wenig Emotion und sind dadurch für den Zuschauer nur schwer nachvollziehbar. Auch ihr Verhalten wirkt in einigen Situationen nicht Angebracht.

Der Erwartungshaltung, die durch die Prämisse beim Zuschauer entsteht, wird der Film leider nicht gerecht. Das geringe Erzähltempo und das nicht wirklich zufriedenstellende Ende ließ uns enttäuscht zurück, auch wenn der Film einige schöne Einstellungen zu bieten hatte.

Gesehen von Cindy Feigi und Thomas Matula

 

En kärlekshistoria
(A Swedish Love Story)
Regie: Roy Andersson

Zwei junge schwedische Jugendliche sehen sich zufällig bei einem Picknick mit ihren Familien im Park und verlieben sich auf den ersten Blick…

Roy Andersson erzählt eine junge Liebe parallel zu den oft chaotischen Leben der Erwachsenen mit viel Humor und der richtigen Menge Emotion. A Swedish Love Story ist ein ruhiger, schöner Film, der den Zuschauer mit einem warmen Gefühl im Bauch zurücklässt.

Gesehen von Thomas Matula

 

Tochter 2000
Die Anroidin Ellie lebt bei "Papa" [ Bild: ©PanamaFilm ]

 

The Trouble with Being Born
Regie: Sandra Wollner

Die Androidin Ellie lebt als "Tochter" bei einem einsamen Mann, mit dem sie den Tag verbringt. Sie übernimmt immer mehr die von ihm gewünschten Erinnerungen und Verhaltensmuster…

Der Film ist in seiner Erzählweise ähnlich langsam wie Chico […], aber schafft es durch interessantere Kameraarbeit und besseren Umgang mit der gegebenen Prämisse den Zuschauer zu fesseln. Er wirft durchgehend Fragen auf, die er größtenteils über die gesamte Laufzeit verteilt beantwortet, lässt aber noch genug Interpretationsfreiraum damit sich das Publikum noch nach Filmende mit der Geschichte und der Thematik auseinandersetzt.

Gesehen von Cindy Feigi und Thomas Matula

 

Nomery
Regie: Oleg Senzow

Der Film basiert auf dem Theaterstück, dass der Filmemacher 2011 verfasst hatte und das merkt man auch an der Umsetzung: Der Film begrenzt sich auf einer Kulisse, was zum Einen aus meiner Sicht etwas schade ist, da es den Film in seiner visuellen Entfaltung sehr stark einschränkt und streckenweise etwas eintönig wirken lässt. Das wird allerdings weitgehend durch die dynamische Kameraführung wettgemacht, die den Anschein erweckt beim Geschehen mittendrin zu sein.

Ein weiterer Makel an dem Film ist, dass die Charaktere bis auf die Hauptfigur kaum Tiefe zeigen. Neben diesen Kritikpunkten kann Oleg Senzow aber durch die interessante Thematik punkten: Das Leben in einer totalitären Gesellschaft. Des Weiteren bezieht sich der Regisseur in mehreren Stellen in Metaphern auf das Christentum, was sowohl Kritik übt als auch dem gegenüber versöhnlich gegenüber steht, je nachdem wie man es interpretiert. Vor allem das Ende gibt sehr viel Stoff zum Nachdenken und Interpretieren, was auch durchaus die Meinungen der Zuschauer teilen könnte.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Film vor allem durch das eben erwähnte Ende besticht, was aber die Frage aufwirft, ob das genug ist, um einen Film als gelungen zu bezeichnen. Interessierte müssen sich aber bis 2021 gedulden, denn dann wird „Numbers“ voraussichtlich in den Kinos erscheinen.

Gesehen von Cindy Feigi

 

Entre perro y lobo 2000

Drei Männer auf einer Trainingsmission im Urwald. [ Bild: Bendita Film Sales ]

 

Entre perro y lobo
Regie: Irene Gutiérrez Torres

Drei Männer sind auf einer Trainingsmission im kubanischen Dschungel unterwegs. Sie üben sich in Kampftechniken und Tarnung. Mit der Zeit hinterfragen sie der Sinn ihrer Operation…

Entre perro y lobo erzählt diese Geschichte vor allem zu Beginn fesselnd und optisch ansprechend. Die längeren dialogfreien Passagen sind der Thematik nach passend, nehmen aber ein wenig das Tempo aus dem Film. Zudem wird die Kulisse des verwachsenen grünen Waldes schnell monoton.

Erst etwa im letzten Viertel der mit 75min recht kurzen Laufzeit nimmt Entre perro y lobo wieder etwas an Fahrt auf. Leider kommt es aber nie zu einer tatsächlichen Eskalation der Ereignisse, weshalb mich der Film relativ kalt gelassen hat und nirgendwo hin zu führen scheint, ganz so wie die Mission der drei Männer.

Gesehen von Thomas Matula

 

FREM
Regie: Viera Čákanyová

FREM ist das absolut Seltsamste, was ich jemals in einem Kino gesehen habe. Der Film besteht fast ausschließlich aus merkwürdig gelenkten und mit künstlichen Bildfehlern versehenen Drohnenaufnahmen von Schnee- und Gletscherlandschaften an einer Küste, wobei vereinzelt auch recht beeindruckende Bilder dabei sind. Ab und zu sind Pinguine und Robben zu sehen, die auf Eisschollen über das Wasser treiben. Hinterlegt ist das ganze mit einer wirren Soundkulisse aus verzerrten Umgebungs-, Atem- und Klickgeräuschen. Manchmal kommt dabei das Gefühl auf, jemand sei auf dem Schneideprogramm ausgerutscht.

FREM ist mehr Kunstwerk als Kinofilm und wäre meiner Meinung nach in einem musealen Umfeld oder einer Ausstellung besser aufgehoben.

Gesehen von Thomas Matula

 

Im Feuer
Regie: Daphne Charizani

Rodja ist eine deutsche Soldatin mit Migrationshintergrund. Sie hilft ihrer Mutter zu ihr nach Köln zu kommen und möchte anschließend auch ihre verschollene Schwester nachholen. Als sie erfährt, dass diese im Irak ist, lässt sie sich dorthin versetzen und hilft bei Training kurdischer Frauen für den Kampf gegen den IS. In Wahrheit möchte sie aber in der umkämpften Region nach ihrer Schwester suchen…

Im Feuer ist ein ordentlicher, aber auch absolut durchschnittlicher Film. Die Story und die Figuren geben nicht unbedingt viel her. Am Ende löst sich die Suche zu schnell auf und wirkt dadurch trotz Twist nicht unbedingt „verdient“ und befriedigend. Dennoch hat der Film seine starken Momente, in denen die Schrecken der Kriege im Mittleren Osten deutlich gemacht werden. Diese Momente sind aber leider selten, sonst ist der Film Durchschnitt und wird nie so stark polarisierend oder politisierend, wie es die Thematik tatsächlich hergegeben hätte.

Gesehen von Thomas Matula und Jannis Salzmann

 

FunnyFace Still 2 2000
Zama und Saul mit der titelgebenden Maske [ Bild: Film Constellation ]

 

Funny Face
Regie: Tim Sutton

Der jugendliche New Yorker Saul versteckt sich gern hinter einer Maske, wobei er eines Tages Zama begegnet, der er hilft ,wodurch eine ungewöhnliche Bindung entsteht. Ein Immobilien-Hai bedroht derweil die Existenz von Saul und seiner Familie, die sich diesem entgegensetzen möchte.

Auf den ersten Blick mag der Film vielleicht wie ein gewöhnliches Teen-Drama erscheinen, was jedoch eine Fehleinschätzung ist. Hier lernen sich die Protagonisten zwar auf recht typische Art und Weise kennen und sind auch nicht in einem komplett neuen Gewand gezeichnet, jedoch fühlen sie sich teils echter an als so manch andere Charaktere dieses Genres. Zwischen den beiden fallen nicht viele Worte, dennoch spürt man die Bindung, die diese zwei Menschen haben und der Film schafft es auch nie kitschig zu werden (was ebenfalls eine Seltenheit in diesem Genre ist). Der Zuschauer wird nicht nur durch die beiden Hauptcharaktere in den Bann des Films gezogen, sondern auch durch die Themen, die er aufgreift: Gentrifizierung, was sie mit den Betroffenen macht und wie es in den Köpfen der ausführenden Mächte aussehen könnte.

Ein einfühlsamer Film, der durch seinen eigenen Charme besticht.

Gesehen von Jannis Salzmann und Cindy Feigi

 

Cicade Pássaro
(Shine Your Eyes)
Regie: Matias Mariani

Regisseur Matias Mariani bringt uns mit „Cicade Pássaro“ eine außergewöhnliche Erkundung von Sao Paulo und gibt uns emotionale Einblicke in die afrikanische Kultur der Igbo.

Der nigerianische Musiker Adami reist in die Brasilianische Metropole Sao Paulo um seinen großen Bruder Ikkena zu finden. Adami kommt als Außenseiter nach Sao Paulo und sieht sich einer gefühlskalten, apathischen Gesellschaft gegenüber. In Sao Paulo ist sich jeder selbst der Nächste. Zusammen mit Adami werden wir, auf der Suche nach seinem Bruder, in einen Strudel der Hilflosigkeit und des Unverstehens gezogen, werden mit wilden mathematischen und physikalischen Theorien konfrontiert und haben mit Sprachbarrieren zu kämpfen. Insgesamt eine sehr emotionale Rundfahrt durch eine emotionslose Stadt.

Der Film startet sehr langsam und hat zu Beginn stark dokumentarische Züge. Er versucht uns in dieser Zeit den Hintergrund von Adami und seiner Igbo Abstammung näher zu bringen. Man merkt kaum wie die Inszenierung des Films plötzlich kippt und wir mit einer Flut von Informationen überschüttet werden. Viele, die weder wir noch der Hauptdarsteller verstehen. Was zu einer verwirrenden Erfahrung führt, aber auch viel Empathie für die Hauptfigur und seine verzweifelte Situation schafft. Die Kamera wirkt hier wie ein Fenster, durch das wir im 4:3 Format Einblicke in die Nigerianische Kultur, die avantgardistische Architektur Sao Paulos, die multikulturelle Gesellschaft der Stadt und eine Kommunikation zwischen Außenseitern und Einheimischen, die erst eine gemeinsame Sprache finden müssen bekommen. Mathematik, Zufallsforschung und vor allem Musik halten das gesamte Gebilde dabei zusammen. Auch wenn das Gebilde wirkt wie eines der Einsturzgefährdeten Hochhäuser Sao Paulos – Faszinierend, aber immer kurz vor dem Zusammenbruch.

Eine emotional verwirrende Erkundungstour einer faszinierenden Stadt mit faszinierenden Charakteren, die es schafft, eine Geschichte über Familie, Verpflichtung und Selbstfindung, neben der Darstellung eines schönen, jedoch kaputten Sao Paulo zu erzählen.

Gesehen von Jannis Salzmann

 

Kød & Blod
(Wildland)
Regie: Jeanette Nordahl

Ein Familiendrama versteckt in einem dänischen Mafiathriller. Jeanette Nordahl bringt uns mit „Wildand“ einen Film, der von Leid, Familienliebe, Angst, Verpflichtung und vor allem dem Gefühl keine Wahl zu haben geprägt ist.

Ida wird nach dem Tod ihrer Mutter von der Familie ihrer Tante aufgenommen. Doch schnell wird klar, dass der Familienclan angeführt von ihrer Tante sein Geld mit kriminellen Machenschaften verdient. Schnell spitzen sich die Ereignisse zu und nachdem die Familie mit der Polizei in den Konflikt gerät, muss Ida sich zwischen Ihrer neuen liebevollen aber auch angsteinflößenden Familie und Ihrem eigenen Leben entscheiden.

Wildland hat es geschafft mich über längere Strecken in seinen Bann zu ziehen, der Film schafft es eine gewisse Spannung für die Hauptrolle, durch deren Augen wir einen Abschnitt der Geschichte der Familie miterleben, zu erzeugen. Man sitzt ständig auf dem Rand seines Sitzes und fragt sich dabei was aus Ida, gespielt von einer großartigen Sandra Guldberg Kamp, werden wird. Generell kann der Film mit einem großartigen Cast, vor allem mit einer klasse Darstellung von starken Frauen und einer interessanten und immersiven Atmosphäre protzen.

Auch die Geschichte, die erzählt wird lässt Potential vermuten, doch das große Problem, das der Film für mich hatte, war das Timing von Ereignissen. Immer wieder passiert etwas, das im Grunde eine interessante Handlungsentwicklung ist und einen auch überrascht, aber zu diesem Ereignis kein schlüssiger Aufbau existiert. Entweder ist kurz vor den entscheidenden Ereignis und Entscheidungen ein großer Zeitsprung, der sich fragen lässt warum dies genau jetzt und unter diesen Umständen passiert, oder es wurde sich nicht genug Zeit genommen die Motive des Charakters zu etablieren. Generell hat der Film ein großes Problem mit der Darstellung von Zeit. Man weiß nie ob jetzt Tage, Wochen oder Monate vergangen sind.

Abschließen hatte ich dennoch eine einprägende Kinoerfahrung und muss den Film nochmals für seine starke Atmosphäre und Charaktere loben.

Gesehen von Jannis Salzmann

 

Hier findet Ihr auch unsere Kritik zu Siberia.

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