Berlinale: Alone in Berlin - Jeder stirbt für sich allein

 

Alone in Berlin

Daten

103 Min., Vereinigtes Königreich, Deutschland, Frankreich  2016

REGIE: Vincent Perez
DREHBUCH: Vincent Perez, Achim von Borries, Bettine von Borries
PRODUZENT: Stefan Arndt
KAMERA: Christophe Beaucarne
SCHNITT: François Gédigier
MUSIK: Alexandre Desplat

DARSTELLER: Brendan Gleeson, Emma Thompson, Daniel Brühl, etc.

 

Regie: Vincent Perez
Kinostart: 15. Februar 2016

 

Inhalt:

Als ihr Sohn im Krieg 1940 stirbt, bricht für Otto und Anna Quangel eine Welt zusammen. Aus ihrer Trauer erwächst langsam Wut – Wut auf das deutsche Reich. So beginnen die Beiden, gegen das System hetzende Postkarten zu schreiben und in öffentlichen Gebäuden aufzustellen. Schnell bekommt die Gestapo davon Wind und ein Katz-und-Maus-Spiel durch Berlin beginnt. Grundlage des Films war das Buch von Hans Fallada, frei erzählt nach wahren Geschehnissen.

 

Kritik:

Über den Widerstand während dem zweiten Weltkrieg gibt es mindestens so viele Filme wie über den Krieg selbst. So wird in „Jeder stirbt für sich allein“ eine vergleichsweise ruhige Geschichte erneut verfilmt. Die Geschichte ist beeindruckend,  das Buch ein Bestseller, dieser Film eher ganz in Ordnung.

Der Regisseur schafft es den Film tief und schwer wirken zu lassen, obwohl die Erzählung im Film eher flach und einfach ist. Viele Aspekte aus dem Buch werden weggelassen, jedoch nicht um mehr Tiefe ins Detail bringen. Dennoch: Der Film schafft Emotionen und reißt mit in die Melancholie eines trauernden Paars zwischen Aufbegehren und Todesangst. Besonders viel zu verdanken ist dabei wohl den Hauptcharakteren Brendan Gleeson, Emma Thompson und Daniel Brühl, die ihre Rollen mit Bravour füllen.  Auch das Zusammenspiel der Drei ist durchaus mit großer Freude anzusehen. Warum alle Charaktere in der englischen Originalfassung jedoch deutsche Akzente brauchen, bleibt offen und lenkt regelmäßig vom Geschehen ab.

Alle anderen Figuren sind zudem sehr stereotypisch und erfüllen gleichzeitig nicht die Erwartungen. Das ganze Haus scheint ein Querschnitt der Mittelschicht der Zeit zu sein, aber irgendwie sind alle nicht so wirklich vom Nationalsozialismus überzeugt. Nur die Chefs von Gestapo-Beamter Escherich scheinen überzeugte Anhänger zu sein und lassen ihre Macht durch Gewalt spüren. Die Nationalsozialistische Gesinnung wird nur in den nationalsozialistischen Frauen gezeigt, die von Tür zu Tür gehen und von anderen Frauen fordern, für ihr Land zu arbeiten.

Insgesamt weiß der Film trotz der tollen Besetzung nicht zu überzeugen, bietet seichte Unterhaltung und emotionsgeladene Momente, ein wenig Wille zum Aufgebehren,  wird nach dem Schauen jedoch schnell wieder vergessen. Definitiv kein Must-See.

Gesehen von Theresa Koehnsen.