Aufnahmeprüfung

  • Die letzte Runde- Das Kolloquium

     

    Ein weiterer Erfahrungsbericht- Bewerbung für den Produktionsstudiengang

     

    Der Raum im 2. Stock war mir bereits sehr vertraut - im Winter hatte ich hier schon einmal Bierkästen vor der Kälte draußen gerettet. Nun sollte in diesem Raum über meine Zukunft entschieden werden. 30 Bewerber lagen noch vor mir, bevor ich als immerhin vorletzter der Kommission gegenüber treten sollte. Seit einem halben Jahr hatte ich nun intensiv den Medien-Teil der Süddeutschen Zeitung gelesen und mich mit den Eigenschaften deutscher Fernsehwerbung vertraut gemacht. Ich hatte mir aus der HFF-Bibliothek mindestens 50 mehr oder minder sehenswerte Filme mit größerer und kleinerer historischer Bedeutung gesucht, hatte im „Lexikon des deutschen Films" die „wichtigsten deutschen Filme" nachgelesen, die ich nicht angeschaut hatte.

     

    Auch hatte ich einen Regisseur in all seinen Details vorbereitet. Ich wusste, warum ausgerechnet ich Film-Produzent werden wollte, was ich in meiner Bewerbung geschrieben hatte und ich kannte die Personen, die mich gleich erwarten würden.

    So saß ich also im Gang - zusammen mit einem anderen Bewerber und einem Studenten, der die Neuankömmlinge etwas beruhigen sollte Dass ich trotz der guten Voraussetzungen nervös war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ich füllte ein Formular aus und wartete. Die Prüfungskommission hatte eine gute halbe Stunde Verspätung... Schließlich war ich dann doch noch an der Reihe. Sechs Tische waren zu einem Rechteck zusammengestellt, an drei Seiten saßen jeweils zwei Personen der Kommission, an der vierten Seite saß ich. Zum Glück gab es ein Wasserglas, sonst wäre mein Mund trotz meiner Zuversicht sicherlich irgendwann ausgetrocknet.

     

    Nun stellten die Professoren sowie der Hochschul-externe Filmprofi reihum ihre Fragen. Die verbleibenden zwei Personen waren als Beisitzende und Schriftführer anwesend. Der Professor für den Studiengang Produktion wollte wissen, warum ich mich nicht mehr selbstständig machen wollte, wie ich es in meiner Bewerbung letztes Jahr noch explizit geplant hatte. Der Professor für Medienwirtschaft erkundigte sich nach den geplatzten Kabel-Verkäufen der Deutschen Telekom und der Spielfilm-Professor fragte mich, was ich an München denn besonders schätzen würde. Die Antwort, dass es sich um ein Kulturzentrum handle, erwies sich als nicht so gelungen, denn als er wissen wollte, welcher Kultur ich mich denn am meisten hingeben würde, musste ich leider passen. Schließlich hatte ich das letzte halbe Jahr genug damit zu tun gehabt, meine Bewerbung vorzubereiten...

     

    Kurz und gut: Die Fragen hängen sehr stark vom jeweiligen Bewerber ab, von seinen Aufgabenlösungen und der Begründung des Berufswunsches. Worauf ich mich hätte vorbereiten können, konnten mir auch die Studenten nicht sagen, die ich während meiner Gasthörerschaft kennen gelernt hatte. Das einzige was ich erfuhr, war die Aussage, dass es sehr stark um einen als Person geht. Tja, was immer das heißen mag... Ich für meinen Teil war erst mal froh, dass das Kolloquium zu Ende war. Denn bei den Fragen wurde doch recht lange nachgebohrt und meine oberflächlichen Antworten flogen leider auf. Ich verließ den Raum und kaum hatte sich die Tür hinter mir geschlossen, verwandelte sich meine versteinerte Miene in ein missmutiges „Bäääh! - Die haben mich auseinandergenommen.".

     

    Das Ende vom Lied

    Eigentlich hätte ich nicht mehr an eine Zulassung für die HFF glauben dürfen, aber die Hochschule war mir mittlerweile so vertraut geworden, dass ich darauf hoffte den Mist, den ich erzählt hatte, durch Selbstsicherheit überspielt zu haben. Doch es half alles nichts. Noch bevor der Brief eintraf, erfuhr ich von der Dame im Sekretariat, dass die Antwort der Kommission negativ ausgefallen war.

     

    Der Weg über die Praxis kam für mich nicht in Frage, obwohl ich inzwischen weiß, dass die HFF nicht der beste und einzige Weg zum Film sein muss. Zum Glück hatte ich mich auch an verschiedenen klassischen Universitäten beworben und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Abstand gewann ich zu dem Thema. Natürlich ist auch etwas Selbstbetrug dabei, wenn ich mir einrede, dass die HFF keine Muster-Universität ist und man als Produzent einen finanziell gefährlichen Job hat. Aber im nachhinein bin ich doch froh, mich nicht in diesem wirtschaftlich bedenklichen und sehr deterministischen Ausbildungsweg wiederzufinden.

     

    Nun studiere ich an der Ludwig-Maximilians-Universitätin München im ersten Semester Kommunikations- wissenschaft (leider das einzige Fach, welches für Medien-Interessierte Sinn macht, wenn man sich nicht nur mit Technik auseinandersetzen möchte). Psychologie hab ich im Nebenfach belegt. Die Werbung ist trotzdem nicht in weite Ferne gerückt und mir stehen Wege offen, die ich mit einem HFF-Diplom wohl nicht hätte einschlagen können.

    Das Einzige, das ich etwas bedauere ist, dass ich zwei Jahre für die HFF-Bewerbung verschwendet habe. Andererseits habe ich nun einen kleinen Packen Praktikumzeugnisse und nicht zuletzt zwei Semester HFF-Gasthörerschaft vorzuweisen. Und die kleine Pause nach dem Abitur motiviert richtig, wieder die Schulbank zu drücken. Insofern: „Never know what it was good for..."

     

    Filmhochschule - ja oder nein?

    Ein wichtiger Punkt der gegen ein Filmstudium spricht ist, die Tatsache, dass die Ausbildung für den Filmnachwuchs an vielen Filmhochschulen alles andere als optimal ist. Was hier aus verschiedensten (vor allem personal- und verwaltungspolitischen) Gründen jahrzehntelang an Chancen vertan wurde ist höchst bedenklich. Das Ergebnis lässt sich am aktuellen Stand des deutschen Film- und Fernsehspiels ablesen.

     

    Stundenplanausfälle gehören an der Filmakademie in Ludwigsburg genauso zum Alltag wie ein schlecht organisierter Studienablauf, der es den Studenten unnötig erschwert ihre Studienzeit sinnvoll zu gestalten. Auch die Wissensvermittlung in allen Bereichen rund um Film ist nicht unbedingt gegeben. So berichten Regie-Studenten der HFF Potsdam, dass sie kaum die Möglichkeit haben die technische Seite des Filmemachens zu erlernen. Die praktischen Kameraseminare sind in erster Linie den Kamerastudenten vorbehalten und die Arbeit am Schneidetisch den Schnitt-Studenten. Auf diese Weise sollen die Regie-Studenten gezwungen werden, ihre Kollegen der Kamera- und Schnittabteilung zu beschäftigen. Dabei sollte sich doch gerade ein Regisseur in allen Bereichen des Films bestens auskennen...

     

    Zahlreiche Studenten bedauern, dass die Abteilungen Szenischer Film und Dokumentarfilm voneinander getrennt sind. Dabei würden viele sehr gerne beide Bereiche erlernen. An der HFF München besteht aber zumindest die Möglichkeit auch Filme aus dem Bereich, den man nicht studiert, zu realisieren. Namhafte Regisseure wie Caroline Link oder Hans Christian Schmid haben dort übrigens Dokumentarfilm studiert und sind heute durchaus auch im Bereich Spielfilm tätig. Vielleicht ist dies für den ein oder anderen eine Überlegung wert sich in Richtung Dokumentarfilm zu orientieren. Die Trennung der beiden Abteilungen an den Filmhochschulen geht allerdings soweit, dass Regie-Studenten für szenischen Film nicht erlernen, wie man für Filme recherchiert. Das man diese Fähigkeit nicht nur für Dokumentarfilme benötigt, wird dabei völlig übergangen.

     

    Der Wunsch, möglichst schon den ersten Übungsfilm sendefähig zu gestalten, erstickt jede Art von Experimentierfreude. Nicht einmal der Lerneffekt, sich gegenseitig als Kamera,- Ton,- oder Regieassistenz zu helfen, ist mehr die Regel. Wer kann, holt sich gleich Profis. Damit geht die einzige Möglichkeit verloren, außerhalb der späteren Weichspül-Movies zu arbeiten.

     

    Die Anzahl der Produktionsstudenten ist meist deutlich geringer als die der Regiestudenten. Die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn nicht alle Regiestudenten Produzenten für ihre Projekte finden, kann man sich vorstellen... Diese Methode scheint sich allerdings durchzusetzen, sie wird gleich an mehreren Hochschulen praktiziert.

     

    Das Studium an einer Filmhochschule ist ein Vollzeitstudium. Auch wenn nicht immer eine Anwesenheitspflicht vorherrscht, so sollte man aus eigenem Interesse, besonders bei anschließenden Prüfungen, regelmäßig teilnehmen. Wer darauf angewiesen ist, neben dem Studium Geld verdienen zu müssen, wird es wegen der wenigen freien Zeit schwer haben. Auch die Semesterferien sind meist schon mit eigenen Projekten verplant.

     

    Vorteile der Filmhochschule

    Aber auch die Vorteile einer Filmhochschule sollen nicht unerwähnt bleiben. Ein wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass man durch die Schule quasi gezwungen ist eigene Filme zu machen. Für Menschen, die erst unter Druck wirklich arbeiten können - ein idealer Zustand. Da man als einzige Person nicht ein ganzes Filmteam stellen kann, ist man auf helfende Hände angewiesen. Die lassen sich schnell durch die vorhandenen Kommilitonen (so fern man nicht gleich Leute von außerhalb einbezieht) finden, die dann ihrerseits bei eigenen Projekten Hilfe bedürfen.

     

    Dadurch lernt man in kurzer Zeit sehr viele Leute mit gleichen Zielen kennen und eignet sich neben dem theoretischen Wissen das einem die Schule vermittelt noch einen großen Teil an praktischem Wissen an. Einen Film zu drehen erfordert eine nicht unerhebliche Summe an Geld. Auch wenn alle kostenlos mitarbeiten, braucht man immer noch das nötige Film-Equipment. Wenn eine Filmhochschule einem dies unentgeltlich zur Verfügung stellt und Projekte sogar noch finanziell unterstützt (wenn auch sehr, sehr gering) ist man bei der Realisierung schon einem großen Schritt weiter.

     

    Fazit

    Abschließend soll an dieser Stelle noch angemerkt werden, dass eine Filmhochschule weder den einzigen noch den besten Einstieg in die Welt des Films bietet. Manche Studenten glauben, dass es völlig ausreicht an einer Filmhochschule aufgenommen worden zu sein und absolvieren ihr Studium im Tiefschlaf, andere erlernen gleichzeitig in der Praxis unendlich viel mehr. Ebenso wenig ist ein abgeschlossenes Film-Studium eine Garantie für eine erfolgreiche Filmlaufbahn. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass viele bekannte Regisseure (z.B. Tom Tykwer) nie eine Filmhochschule von innen gesehen haben. Manche haben sich erst gar nicht beworben und es auf eine andere Art versucht, andere sind schlicht und ergreifend abgelehnt worden. Letztlich kommt es immer auf die persönliche Begabung an, Rahmenbedingungen in denen sich diese entwickelt und gefördert wird, können in- und außerhalb von Filmhochschulen gefunden werden.

     

    Namhafte Absolventen wie Oscar-Anwärterin Caroline Link, Hollywood-Regisseur Roland Emmerich oder Sönke Wortmann sind sicher gute Zugpferde für das Image einer Filmhochschule, aber nicht Alltag. Dieser sieht oft anders aus. 78 Prozent aller Ehemaligen der HFF München schlagen sich mit Fernsehjobs durch, 10 Prozent arbeiten in der Werbung, 7 Prozent für Forschung und Lehre. Namen wie die des Moderators Michael Schanze, der auch Student an der HFF München war, werden dagegen seltener im Zusammenhang mit der Hochschule genannt.

     

    Man sollte sich bewusst sein, dass das Studium an einer Filmhochschule eine von mehreren Möglichkeiten darstellt eine Laufbahn in der Filmbranche zu beginnen. Über Praktika, Assistenzen, artverwandte Studiengänge wie z. B. Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Kommunikations- oder Medienwissenschaft kann der Einstieg genauso gelingen.

  • Der Traum vom Studium

    Sehr viele haben bisher den Traum von einem HFF-Studium geträumt, ohne dass er in Erfüllung ging. Auch ich musste bereits im vergangenen Jahr die Enttäuschung einer Absage hinnehmen und auf einen zweiten Versuch warten. Nach langem Hin und Her, ob denn die erneuten Mühen überhaupt sinnvoll sind, habe ich jedoch beschlossen, nicht locker zu lassen und mich ein zweites Mal für den Studiengang "Produktion" an der HFF zu bewerben. Natürlich wusste ich, dass auch diesmal viel Arbeit auf mich zukommen würde und die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung nicht gerade vielversprechend sind. Dennoch blieb ich konsequent und sei es auch nur, um später sagen zu können, ich hätte alles in meiner Macht stehende versucht. Ich begann also erneut mit der Lösung der gestellten Aufgaben.

    Bewerbung

    Nach beinahe einem Monat intensiver Arbeit, einem zähen Ringen um jede "Schreibmaschinenzeile" und einem endlosen Verwerfen von Filmstoffideen war nun endlich das große Werk, das über meine Zukunft entscheiden sollte, fertig. Sprichwörtlich in der letzten Minute der Eingangsfrist habe ich höchst persönlich das Sekretariat der HFF betreten, um desillusioniert mit anzusehen, wie meine Mappe, als eine unter vielen, auf einen riesigen Stapel geschmissen wurde. In der Hoffnung, diese blaue Mappe nicht so bald wieder zusehen (oder am besten nie wieder) begann nun vom 31. März 2003 an das große Warten. Fortwährenden Fragen von Außenstehenden, wie lange es denn noch dauern könnte, begegnete ich inzwischen mit abgeklärter Routine und stets gleicher Antwort, dass vor dem Juli sowieso nichts zu erwarten sei.

     

    In Wahrheit zählte ich jedoch jeden Tag und malte mir abenteuerliche Storys aus, wie wohl meine Bewerbung angekommen sei. Um meine angespannten Nerven ein wenig zu beruhigen, begann ich bereits im Mai mit der Vorbereitung auf ein mögliches Kolloquium. Da ich jedoch nicht genau wusste, wie so eine Vorbereitung aussehen könnte, beschränkten sich meine Aktivitäten ausschließlich auf das aktuelle Geschehen, d. h. so viel wie möglich Filme sehen und täglich den Medienteil der großen Tageszeitungen studieren.

     

    Einladung zum Kolloquium

    Früher als erwartet und als erste Abteilung der HFF überhaupt, hat die Leitung für den Studiengang "Produktion" die Zusagen und Absagen versendet. Als ein Brief der Hochschule in meinem Briefkasten lag, bekam ich lediglich ein kleinlautes "Oh Gott" heraus. Hektisch riss ich den Umschlag auf und siehe da, ich war nach eingehender Prüfung der Bewerbung "zum weiteren Teil der Eignungsprüfung eingeladen". Da die Zusagen recht früh verschickt wurden, hatte ich bis zum Kolloquium sogar noch einen knappen Monat Zeit.

     

    Noch am gleichen Tag brachte ich meine Teilnahmebestätigung zur HFF, schließlich sollte es ja an solchen Banalitäten nicht scheitern. Als die erste Freude verflogen war, begann sich bei mir jedoch Ratlosigkeit breit zu machen. Was kann ich jetzt noch tun? Engagiert begann ich mir einen Plan zu machen, was denn ein guter HFF-Student an Wissen mitbringen sollte. Filmgeschichte, Kenntnisse aktueller Branchennews, wichtige Kontaktadressen und Ansprechpartner, ein breites Repertoire wichtiger Namen von Regisseuren und Schauspielern etc., einen Überblick über aktuelle Neuerscheinungen, praktisches Know-how usw.

     

    Je mehr Zeit verstrich, desto mehr machte ich mir über mögliche Detailfragen der Kommission Sorgen, die mich möglicherweise in eine ernste Bredouille bringen könnten. Trotz der Beschwichtigungen zahlreicher Freunde und Studenten, die bereits an der Filmhochschule studieren, war ich mir sicher, dass mich ein gnadenloses Kreuzverhör erwarten würde.

     

    Der große Tag

    Bewerbung

    Bereits beim Aufwachen lag mein Puls weit über normal. Trotz wenig Schlaf war ich früh auf den Beinen. Unnötiger Zeitdruck war an diesem Tag das letzte, was ich hätte gebrauchen können. Obwohl mein Kolloquiumstermin für 14.30 Uhr angesetzt war, betrat ich die Filmhochschule bereits eine Stunde früher. Dies erwies sich als die richtige Entscheidung,  da vor dem Kolloquiumsraum zwei Produktionsstudenten platziert wurden, die den Eingeladenen ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben sollten.

     

    So viel Entgegenkommen hatte ich bis dahin von der HFF nicht erwartet. Auf diese Weise verblasste inmitten des lockeren Gesprächs jegliche Anspannung und das Gefühl einer Prüfungssituation. Leider gewann ich in dieser Stunde auf dem Gang auch den Eindruck, dass die Prüfungskommission ebenso locker mit der Situation umgeht. Ständig erschien eine aufgeregte Sekretärin, die unbedingt eine Unterschrift einholen wollte.

     

    Im Nebenraum läuteten Handys, dessen Klingeltöne die HFF-Studenten bereits den Professoren zuordnen konnten. Ich hatte nach und nach das Gefühl, als wäre das Kolloquium nur eine Nebensächlichkeit im laufenden Betrieb. Spätestens hier wurde mir dann wirklich bewusst, dass ich die Vorbereitung viel zu ernst genommen habe.

     

    Das Gespräch

    Bewerbung

    Meine bildlichen Vorstellungen von einem Kreuzverhör entsprachen zunächst überhaupt nicht der tatsächlichen Sitzordnung. Statt einer gegenüberliegenden Platzierung waren die Tische zu einem Viereck zusammengestellt. An drei Seiten nahmen die Professoren der einzelnen Abteilungen Platz, die vierte Seite war für den hoffnungsvollen Anwärter reserviert. Die Leitung des Gesprächs übernahm Prof. Manfred Heid, Leiter des Studiengangs Produktion. Mit von der Partie waren darüber hinaus weitere vier Professoren und Dozenten der verschiedenen Abteilungen, sowie zwei Beisitzer.

     

    Entgegen meiner Kreuzverhörhypothese begann Prof. Heid mit einer kurzen Vorrede, statt gleich Schlag auf Schlag in das Gespräch einzusteigen. Doch auch im weiteren Verlauf überraschten mich die Fragen nur durch ihre Vorhersehbarkeit. So wurde ich u. a. nach meiner Motivation für diesen Studiengang befragt, wie ich mich auf die Ausarbeitung der schriftlichen Fragen vorbereitet habe, was ich für Filme produzieren würde, was ich tun würde, wenn mich die HFF nicht nimmt, für wen ich denn eigentlich Filme produzieren möchte usw. All die spezifischen Detailfragen, die mir im Vorfeld so großes Kopfzerbrechen bereiteten, blieben aus. Als einziger Stolperstein erwies sich im Nachhinein der Leiter der Spielfilmabteilung. Dieser war meinem Filmstoff gegenüber skeptisch, den er als zu intellektuell einstufte und dessen Erfolg er ernsthaft bezweifelte. Auch meine prompte und ausschweifende Rechtfertigung konnte ihn im Endeffekt nicht wirklich überzeugen.

     

    Trotz allem vergingen die 20 Minuten Kolloquium recht schnell, Prof. Heid nickte mir häufig zustimmend zu und ich verließ die lockere Gesprächsrunde mit einem guten Gefühl. Doch nur wenig später drängten sich mir Zweifel auf. Haben die Professoren in so kurzer Zeit einen richtigen Eindruck von mir gewonnen? Vor allem die Debatte um den intellektuellen Gehalt meines Filmstoffes hatte nach meiner Meinung einen zu großen Stellenwert im Gespräch, so dass ich letztlich im Licht eines publikumsfremden Produzenten stand. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Aspekte glaubte ich nun zu entdecken, die gegen mich ausgelegt werden könnten. Hätte, wäre, könnte... Am Ende hatte ich überhaupt keine Meinung mehr. Es begann wieder die Zeit des Wartens.

     

    Die Entscheidung

    Zu meiner Überraschung wurde mir bereits während des Gesprächs mitgeteilt, dass die Entscheidung über den Ausgang des Kolloquiums zwei Tage später telefonisch mitgeteilt wird. 48 Stunden und doch eine Ewigkeit, in der ich das Kolloquium mehrmals vor meinem geistigen Auge neu erlebte und gleichzeitig alle erdenklichen Vor- und Nachteile, alle möglichen Szenarien durchspielte. Am besagten Tag fasste ich mir schließlich ein Herz und wählte die angegebene Nummer. Es meldete sich die Sekretärin, ich nannte meinen Namen, sie wiederholte ihn und sagte trocken: "Sie sind leider nicht genommen! Wiedersehen."

     

    Mit einer Sekunde war ich nicht nur aus der Leitung geworfen worden, sondern auch aus dem Studiengang, meinen Träumen und allen anderen erdenklichen Szenarien. Von nun an hatte ich also mit einer Entscheidung zu leben, dessen Gründe nur vage nachvollziehbar waren und keine Begründung folgen ließen. Auch die schriftliche Absage einige Tage später ergab nicht viel mehr Aufschluss über Auswahlkriterien und Gründe der Ablehnung. Selbst bei einem Gespräch mit der Studienberatung wurde mir nur erläutert, dass ich "unter dem Durchschnitt" lag.

     

    Was sich aber hinter dem Begriff "Durchschnitt" verbirgt, wenn man ausschließlich Fragen zur eigenen Persönlichkeit gestellt bekommt, konnte mir nicht so recht beantwortet werden. Letzten Endes zeigt dies aber auch, dass sich die HFF durchaus der subjektiven Dominanz der Entscheidungen bewusst ist. Wie will man auch charakterliche Eigenschaften objektivieren? Dieser Trost kam für mich aber zu spät. Statt dessen durfte ich wenig später meine Bewerbungsmappe wieder in Empfang nehmen, die ich doch eigentlich nicht so schnell wieder sehen wollte.

     

    Bedenken und Ratschläge

    An der HFF angenommen

    Im Grunde genommen ist die Ungewissheit vor dem Kolloquium und die Kürze der gesamten Prozedur die Hauptgefahr bei der Bewerbung. Ohne zu wissen, was einen erwartet, muss sich jeder Bewerber anhand der gestellten Fragen schnell gegenüber der Konkurrenz etablieren und sich ins rechte Licht rücken. Nicht immer fließen daher sachliche Komponenten in die Entscheidung ein. Studenten der HFF sprechen, wenn man die Zusammensetzung der einzelnen Jahrgänge beobachtet, sogar von festgelegten Präferenzen der Professoren im Vorfeld des Auswahlverfahrens. D. h., mal werden eher jüngere unerfahrene Bewerber genommen, im nächsten Jahr wiederum ältere mit Berufserfahrung. Trotz dieser Unsicherheit kann ich dennoch jedem Bewerber einige Tipps geben, die man beim Kolloquium beherzigen sollte.

     

    Zunächst sollte man das Kolloquium auf keinen Fall mit einer Prüfungssituation verwechseln. Es geht weder um Faktenwissen, noch um zu lösende Aufgaben. Diese Prüfung erfolgte ja bereits mit der schriftlichen Bewerbung. Das Gespräch dreht sich vordergründig um den Anwärter, um beurteilen zu können, ob er in die Schule, zu den Kommilitonen bzw. zu den Professoren passt. Schließlich müssen die Dozenten ja vier Jahre tagtäglich mit den Studenten auskommen. Aus diesen Gründen ist es auch nicht ratsam, während des Kolloquiums aggressiv zu antworten. Wie bereits erwähnt, zählen vor allem Sympathiewerte. Daher sollte man die Kommission nicht als Prüfungsinstanz, sondern als Gesprächspartner auffassen. Bei all der Entspanntheit darf jedoch nicht die eigene unbedingte Motivation vergessen werden, die den unbändigen Willen, an der HFF studieren zu wollen, demonstriert.

     

    Ferner sollte man sich bei dem Auswahlgespräch genau überlegen, was man sagt, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Zum einen ist es sehr bedenklich, wenn man lange Denkpausen einlegt, bevor eine Antwort formuliert wird. Dies stärkt nicht gerade den Eindruck der Authentizität. Zum anderen darf man sich nicht durch unüberlegte Wortwahl und Thesen um Kopf und Kragen reden. Wer Thesen von sich gibt, die er bei Nachfrage nicht begründen kann, stärkt ebenso nicht gerade ein authentisches Bild von sich. Daher ist es vielleicht ratsam, sich im Vorfeld zu einigen Grundfragen gute und kreative Gedanken zu machen, wie z. B. weshalb man an der HFF studieren möchte. Den Rest besorgen gute Rhetorikfähigkeiten, die eigene Persönlichkeit, Selbstüberzeugung und Glück.

     

    In jedem Fall sollte man sich im Vorfeld noch einmal die eigene Bewerbung gut durchlesen. Auf diese Weise kann man besser erkennen, worauf die einzelnen Fragen der Professoren abzielen. Außerdem können im Gespräch jederzeit auch weiterführende Aspekte zu den schriftlichen Ausarbeitungen thematisiert werden. Wer sich dann an die gelösten Aufgabenthemen nicht genau erinnert, hat vergleichsweise schlechte Karten.

     

    Wie gesagt: Die Vorbereitung auf ein Kolloquium ist nur eine vage Komponente und entscheidet nur selten über Erfolg oder Misserfolg. Dazu spielen bei der Auswahl des erlesenen HFF-Kreises unvorhersehbare Einflussfaktoren wie Sympathiewerte, die richtigen Fragen, die allgemeine Stimmung und Glück eine zu große Rolle. Aufgrund dieser subjektiven Entscheidungen der Prüfungskommission sind daher ein sicheres Auftreten, starke Persönlichkeit und Schlagfertigkeit das oberste Gebot.

     

    Auch wenn man alle Ratschläge beherzigt und mit sicherem Gefühl aus dem Gespräch herausgeht, ja, selbst, wenn man angenommen wird, sollte man nie vergessen, dass die Aufnahmeverfahren stets einen gewissen Lotteriefaktor in sich tragen. Der sollte auch die eingeschriebenen Studenten davon abhalten, sich auf den Lorbeeren einer erfolgreichen Aufnahme auszuruhen. Strengt Euch bloß an, Leute, die spätere Branchenrealität ist das eigentliche Kolloquium, und da sind schon ziemlich viele begabungsfreie Absolventen durchgefallen.

     

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